Zum Inhalt springen
Wappen der Marinekameradschaft KSS e.V. Warnemünde: Anker mit LorbeerkranzDie Geschichte von KSSKüstenschutzschiffe der Volksmarine 1956–1990
Amüsantes

Bieralarm

Während der Werftliegezeit in Kronstadt entdeckt der Autor bei einer Exkursion im Park von Peterhof eine Bierbude mit tschechischem „Staropramen“. Seine Mitteilung an die tanzenden Matrosen wirkt wie ein Alarmruf – die Tanzfläche ist sofort leer und der Bierstand fest in deutscher Hand.

Es war während unserer Werftliegezeit in Kronstadt. Nach einer Exkursion nach Leningrad mit einer Gruppe Matrosen fuhren wir wegen des schönen Wetters schon am Nachmittag zurück, um die herrlichen Parkanlagen von Peterhof zu genießen. Der Park war gut besucht und neben verschiedenen Kulturprogrammen konnte man auch auf einer großen Freitanzfläche das Tanzbein schwingen. Die vielen jungen Mädchen ließen keinen anderen Entschluß zu, als hier länger zu verweilen. Mit Einsetzen der Musik zum nächsten Tanz stand ich allein am Wegrand. Ich hatte keine Lust zum Tanzen und da es sehr warm war, bummelte ich durch die schattigen Parkwege und suchte einen Getränkestand. Eine Bierbude weckte meine Neugier, denn ich sah dort Flaschen mit einem mir unbekannten Etikett. Echtes tschechisches „Staropramen“ stand neben dem einheimischen Standardbier „Shigulewskoje“ und keiner riß sich danach. Mit Genuß leerte ich die erste Flasche und stellte dabei fest, daß der Vorrat des Verkäufers noch eine Weile reichen würde. Ich lief zur Tanzfläche zurück und teilte meine Entdeckung den tanzenden Matrosen mit. Ein Alarmruf meinerseits hätte nicht mehr bewirken können. Keiner der Matrosen tanzte weiter, alle stürmten in Richtung der von mir georteten Bierquelle davon.

Als ich dort wieder ankam, war meine gesamte Gruppe vollzählig und der Bierstand fest in deutscher Hand. Ein Abbruch des Umtrunkes nach der zweiten Flasche (manche hatten auch drei geschafft) blieb mir erspart, da die Importe aufgebraucht waren. Jetzt stellte auch plötzlich ein Matrose erschrocken fest, daß er seinen Fotoapparat an der Tanzfläche hatte liegenlassen. Er stürzte davon und ich bewegte mich mit der Gruppe ebenfalls in Richtung Tanzkapelle. Dort angekommen, sahen wir den vergeßlichen Matrosen bei einem Mädchen stehen, seinen Fotoapparat in der Hand. Die Hübsche hatte trotz unhöflicher Unterbrechung des Tanzes den Apparat an sich genommen und geduldig auf ihren verschwundenen Matrosen gewartet.

— Lothar Kolditz

Verwandte Beiträge