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Wappen der Marinekameradschaft KSS e.V. Warnemünde: Anker mit LorbeerkranzDie Geschichte von KSSKüstenschutzschiffe der Volksmarine 1956–1990
Amüsantes

Berater Ognjew

Drei Episoden um den stillen sowjetischen Berater Ognjew, der nach der Indienststellung der ersten beiden KSS an Bord half: sein geheimnisvolles Köfferchen mit Proviant, seine Reaktion auf die Notverpflegung während der ersten Fahrt nach Saßnitz und ein unfreiwilliges Erlebnis unter dem „Wackeltopp“ bei schwerer See.

Im Heft 5 auf Seite 4 ist auf einem Foto auch der damalige sowjetische Berater Ognjew zu sehen, der uns nach der Indienststellung der ersten beiden Schiffe bei deren Beherrschung unterstützen sollte. Das erinnerte mich an einige Episoden in denen er eine Rolle spielte. Ognjew war ein sehr ruhiger, fast schon stiller Zeitgenosse. Wenn er Ratschläge gab, war es fast schon so, als würde er sich dafür entschuldigen. An Bord kam er immer mit einem kleinen Köfferchen und alle rätselten herum, was er wohl in diesem Köfferchen haben könnte. Nur der Indiskretion eines neugierigen Reinschiffgasten ist zu verdanken, dass wir eines Tages Bescheid wussten. Im Köfferchen waren neben Wasch- und Reinigungsutensilien, einmal frische Unterwäsche, ein tüchtiger Kanten Brot und ein großes Stück harte Wurst.

Ognjew war auch auf der ersten Fahrt von Warnemünde nach Saßnitz bei uns an Bord. Diese Fahrt hat mein Freund Uli Mädel im Heft 3 ja schon ausführlich beschrieben. Als dann vor Hiddensee nicht nur das Heizöl, sondern auch die Verpflegung knapp wurde, kreierten Feldscher und VO ein Rezept, in dem alles was wir noch an Lebensmitteln hatten, Verwendung fand. Bestandteile müssen aus heutiger Sicht, viel Wasser, weniger Mehl und etwas Marmelade gewesen sein. Zum Mittagessen saßen wir Offiziere vor einer Schüssel mit einer etwas schleimigen, gräulichen Flüssigkeit. Ognjew nahm am Kommandantentisch Platz. Er betrachtete die ungewöhnliche Brühe, roch daran, verzog sein Gesicht zu einer Grimasse, wie Obraszows „Trinker“ und verließ kopfschüttelnd die Messe. Sicher ging er in die Kammer zu seinem Köfferchen.

Die 1-62 war zu einer Übung auf See. Es wehte ein ziemlich steifer Wind und die See ließ den Dampfer ganz schön rollen. Es gab schon einige Seekranke unter der Besatzung. Einige Offiziere, unter ihnen Ognjew hatte sich ein etwas geschütztes Plätzchen auf dem Peildeck gesucht. Der „Wackeltopp“ war besetzt. Dort machten sich die Schiffsbewegungen besonders bemerkbar. Es ging im Wesentlichen ständig nur aufwärts und abwärts, weil ja die anderen Bewegungen des Schiffes durch die Stabilisation fast ausgeglichen wurden. Ohne Sicht auf die Außenwelt, musste man dort oben schon ganz schön seefest sein. Nicht alle waren es! Aus irgendeinem Grund war ich gerade auf dem HBS und sah zufällig nach achtern. Plötzlich öffnete sich ein Schott des Wackeltopps, eine Ladung „Fischfutter“ schoss heraus und ehe diese ihr Ziel erreichte, war das Schott schon wieder dicht. Das Ziel aber war der Rücken von Ognjew. Empört drehte er sich um, um den Übeltäter zu sehen, aber keiner war da. Es ist wohl die einzige Situation, in der ich Ognjew ausrasten sah. Notdürftig gereinigt verzog er sich schnell unter Deck.

— Ulrich Korn

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