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Leser melden sich zu Wort

Leser melden sich zu Wort: Saßnitz als Marinestützpunkt

Ergänzungen und Berichtigungen der Leser zu den Saßnitz-Beiträgen in Heft 8 und 9: die kampflose Übergabe Rügens im Mai 1945 durch Oberleutnant Hans-Jürgen Meyer, Angaben von Dr. Stavorinus zur Führung der Dienststelle Saßnitz und zum Bergungs- und Rettungsdienst 1954/55 sowie zur „Lumme“ und zum Schwimmkran SK 50, und Hinweise von Helmut Bechert zum Tanklager Saßnitz aus der Geschichte des Treib- und Schmierstoffdienstes der NVA.

Wie erhofft, gingen nach Erscheinen des zweiten Teiles (1945-1990) in Heft 9 einige Informationen zu beiden Saßnitz-Beiträgen ein, die Ergänzungen, Berichtigungen oder Präzisierungen zum o. g. Thema möglich machen.

Zu Teil 1 (bis 1945)

Dieser Teil, erschienen im Heft 8, endete mit der Bemerkung, dass ganz Rügen Anfang Mai 1945 kampflos in die Hände der Roten Armee fiel und das Thema Saßnitz als Stützpunkt der Kriegsmarine damit beendet war.

Die „Ostseezeitung“ vom 16. Februar 2010 berichtete über die Hintergründe der Kapitulation, von der ja auch Saßnitz betroffen war. Demnach war nach Einnahme Stralsunds am 1. Mai durch die Rote Armee der Oberleutnant der Wehrmacht, Hans-Jürgen Meyer, Adjutant des ehemaligen Stralsunder Stadtkommandanten, mit der Organisation der Verteidigung von Rügen beauftragt. Hier hatten sich 1500 deutsche Soldaten verschanzt. Meyer erkannte schnell die Sinnlosigkeit dieser Aufgabe und traf sich in der Nacht zum 4. Mai heimlich mit dem sowjetischen General N. G. Ljastschenko. Die Kapitulation wurde auf 08.00 Uhr morgens festgelegt. Wieder auf Rügen informierte Meyer telefonisch alle Bürgermeister, fuhr mit einem Motorrad die vorbereiteten Verteidigungsstellungen ab und überzeugte auch die Soldaten. Am Morgen legten sie ihre Waffen nieder. So verhinderte Hans-Jürgen Meyer ein Blutvergießen unter der Zivilbevölkerung und den Soldaten. Das Angebot des Generals Ljastschenko, Meyer die Gefangenschaft zu ersparen, lehnte dieser ab. Er wollte sein Schicksal mit dem seiner Soldaten teilen. 1949 aus der Gefangenschaft zurückgekehrt, unterrichtete er noch 40 Jahre als Physik- und Mathematiklehrer in Rostock. Hier verstarb er dann auch am 7. Februar 2010 im Alter von 94 Jahren.

Zu Teil 2 (1945 – 1990)

Zu dem in Heft 9 erschienenen Teil gab es ebenfalls Ergänzungen und Berichtigungen.

Herr Dr. Stavorinus schickte uns weitere Informationen zur Dienststelle Saßnitz und zum Bergungs- und Rettungsdienst Mitte der 50iger Jahre.

So berichtet er, dass bei seinem Dienstantritt 1954 die Führung der Dienststelle Saßnitz aus Kapitänleutnant Alfred Grosser als Chef, Kapitänleutnant Gerhard Klippstein als Stabschef und Oberleutnant Ströde als PV bestand. Das alte Reichsbahngebäude am Fährbecken wurde schon in dieser Zeit militärisch genutzt. Hier befanden sich Teile des Stabes der Dienststelle, Wachkompanie, Waffenkammer, Offiziersmesse u. a. Einrichtungen. Ende des Jahres 1954 wechselte die Dienststellen-Leitung: Chef wurde Kapitänleutnant Walter Mehlhorn, SC Leutnant zur See Rolf Franke, PV blieb Oberleutnant Ströde. Diese Namen wurden in Heft 9 bereits genannt, fälschlicherweise aber der Führung des BSD zugeordnet.

Mit dem neuen Ausbildungsjahr 1954/55 wurde der bisherige Bergungs- und Rettungsdienst aufgeteilt. Es blieb beim BRD als Stab und neues Strukturelement wurde das Bergungs- und Rettungskommando (BRK). Es wurde geführt von Korvettenkapitän Erwin Lehmbecker. Dr. Stavorinus selbst, damals noch Leutnant Ing. fungierte als Stellvertreter für Schiffsbergung und damit auf einer Korvettenkapitän-Planstelle. Dem BRK unterstanden die Schiffskräfte und der aktive Taucherzug. Für die Taucher standen schwere Helmanzüge und die ersten sowjetischen Leichttauchgeräte ISAM-49 zur Verfügung. Das war ein Nachbau eines englischen Gerätes und bei den Tauchern nicht sonderlich beliebt. Der Tauchausbildungszug blieb beim Stab des BRD.

Interessant auch einige Details zur „Lumme“ und zum Schwimmkran SK 50. Hierzu schreibt Dr. Stavorinus: „Das auf Seite 5 im Heft 9 gezeigte Bild muss 1955 entstanden sein. Das Schiff war 1954/55 zur Überholung auf der damaligen Staatswerft Stralsund. Auf Wunsch unserer Helmtaucher wurde eine „Gartenlaube“ auf das Vorschiff gebaut. Die Taucher brauchten Platz zum An- und Ablegen ihrer Ausrüstung und für die Lagerung sonstiger empfindlicher Gerätschaften. Ich habe damals das Ding entworfen. Später hat ein Witzbold Gardinen angebracht. Als in der Werft das Unterwasserschiff abgenommen wurde, fand ich den neuen Anodenschutz dick überstrichen vor. Wir haben das selbst geregelt, ohne die Staatssicherheit einzuschalten, weil eindeutig Dummheit vorlag und keine Sabotage. Der Mast der „Lumme“ war übrigens die Spitze eines Mastes des vor Saßnitz gesunkenen Hilfskreuzers „Orion“.

Der Schwimmkran SK 50 (die 50 stand für 50t Hebekraft) hatte einen dieselelektrischen Antrieb mit 2x 100 PS. Mit zwei Schrauben erreichte er stolze 5 km/h. Trotzdem konnte Leutnant Flygare mit dem Kran virtuos manövrieren. Manchmal wurde der Kran für „zivile“ Aufgaben eingesetzt. So hat zum Beispiel auch die „Matthias-Thesen-Werft“ Wismar unsere gelegentliche Hilfe sehr geschätzt.“

Herr Bechert fand in einer 2005 erschienenen Publikation „Kurzer Abriss der Geschichte des Treib- und Schmierstoffdienstes der NVA“ auch Hinweise zum Zentralen Lager bzw. zum Tanklager Saßnitz. Der langjährige Leiter des TS-Dienstes der Volksmarine, Kapitän zur See a. D. Horst Böhnecke, schrieb dort: „Die entscheidende Verbesserung im Gesamtsystem des Nachschubs wurde erst mit Inbetriebnahme des TS-Lagers 18 in Ladebow erreicht. Nach dreijähriger Bauzeit hatte die VM 1972 erstmalig ein leistungsfähiges zentrales Tanklager, das bereits von der Konstruktion her die Besonderheiten der Marine berücksichtigte. ….. Günstig auf das Gesamtsystem des Nachschubs wirkte sich aus, dass das bisherige „Zentrale Lager Saßnitz“ dem neuen Lager als Teillager unterstellt wurde. Immer wenn der Bodden und somit die Fahrrinne zum TSL-18 vereisten, konnte problemlos der seeseitige Nachschub über den eisfreien Hafen Saßnitz organisiert werden. ….. Zwischen der Abteilung TS-Dienst im KVM und dem TSL-18 wurden seit 1973 feste Beziehungen mit dem TS-Dienst der Baltischen Rotbannerflotte in Swinoujscie auf fachlichem, sportlichem und kulturellem Gebiet gepflegt. Ähnlich verlief die Zusammenarbeit zwischen dem Tanklager Saßnitz und dem Truppenteil der BRF in Saßnitz.“

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