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Wappen der Marinekameradschaft KSS e.V. Warnemünde: Anker mit LorbeerkranzDie Geschichte von KSSKüstenschutzschiffe der Volksmarine 1956–1990
Amüsantes

Ein etwas anderer Neujahrsspaziergang

Am 1. Januar 1978 unternimmt ein Teil der künftigen Besatzung der „Rostock“ während der Bordausbildung in Poti einen Strandspaziergang zum Rioni-Delta. Aus einem Lagerfeuer und herumliegenden Spraydosen wird ein improvisiertes Neujahrs-„Böllern“ am Strand des Schwarzen Meeres.

  1. Januar 1978 – auf dem Wohnschiff der Schwarzmeerflotte in Poti, wo die künftige Besatzung der „Rostock“ den Jahreswechsel gefeiert hatte, ging langsam wieder der Bordbetrieb los. Doch was tun an dem dienstfreien Tag? Während Rolf Block und ich noch über etwas Sinnvolles grübelten, kam von Stabsobermeister Hertling die Einladung zu einem Strandspaziergang. Da das Wetter für diese Idee auch ideal war, versammelte sich kurz darauf ein kleines Grüppchen von ca. 6 - 8 Mann vor dem Wohnschiff. Offiziell wurde diese Aktion als sportliche Maßnahme deklariert und so konnten wir in den Trainingsanzügen auch gleich eine Abkürzung aus dem Stützpunkt heraus zum gegenüberliegenden Strand ausnutzen. So genau wurde es mit dem Objektschutz sowieso nicht gehalten.

Direkt am Wasser ging es langsam gen Norden und schon bald reizte die Dünung des Schwarzen Meeres unseren Ehrgeiz, indem wir wie die kleinen Kinder mit den Wellen um die Wette liefen. Natürlich gab es großes Gelächter, wenn eine Welle schneller war als der Herausforderer und dieser dadurch nasse Füße bekam. Unser großes Wohnschiff wurde am Horizont immer kleiner und bald darauf erreichten wir das Flussdelta des Rioni, der nördlich von Poti nach seinem Lauf durch den Kaukasus in das Schwarze Meer mündet. Da sehr viel angeschwemmtes Holz herumlag, war natürlich der Gedanke an ein Lagerfeuer nicht weit und schon bald darauf konnten wir uns aufwärmen. Damit die Flammen nicht ausgingen, zog immer wieder ein „Sammler“ los und holte Nachschub. Von einem dieser Streifzüge brachte SOM Hertling auch eine Spraydose mit und als Ari-Techniker/ Sprengmeister hatte er eine neue Idee. Also rein mit der Dose ins Feuer und dann aus einer Deckung heraus auf das Kommende gewartet. Das kam dann auch kurze Zeit später in Form eines lauten Knalls, der in dieser Einöde nur die Möwen erschreckte. Begeistert über dieses Ergebnis erwachte jetzt bei allen der nächste Spieltrieb und wieder schwärmten wir aus, aber jetzt nicht mehr um Holz zu sammeln, sondern um neuen „Sprengstoff“ zu finden. Und das war ganz leicht, denn im Sommer muss der Strand sehr beliebt gewesen sein und das nicht nur von den Menschen, sondern auch von einer Unmenge von Mücken. Davon konnte ich mich dann im Juli 1983 überzeugen, als mich das Praktikum von der Seekriegsakademie Leningrad wieder mal für sechs Wochen nach Poti verschlug. Bei den russischstämmigen Seeoffizieren war übrigens der Militärstützpunkt Poti im sumpfigen Flussdelta zwischen dem großen und kleinen Kaukasus noch immer als Verbannungsort des Zaren für unliebsame Offiziere verrufen.

Aber zurück zu unserem Erlebnis. Überall lagen jedenfalls die Spraydosen gegen diese Plagegeister herum. Und da diese aus „vaterländischer“ Produktion, dadurch sehr stabil und größtenteils verrostet waren, war dafür der Effekt bei der Sprengung umso größer. Aber auch eine Möbelpolitur-Spraydose aus westdeutscher Produktion hatte ihren großen Auftritt, denn wie eine Rakete schoss das lange Aluminiumrohr in den Himmel. Zwischendurch wurde sich immer wieder am Feuer aufgewärmt. Bei so einer Pause kam Rolf Block mit einer ganzen Handvoll Spraydosen und ohne Vorwarnung schmiss er gleich alle auf einmal ins Feuer. Wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen rannten alle davon, um dann aus sicherer Entfernung die Explosionen zu zählen. Da Rolf sich nicht mehr genau erinnern konnte, wie viel Dosen er hineingeworfen hatte, begann nun das große Rätselraten, wann wir wieder zurück an das Feuer könnten. Keiner wollte sich so richtig trauen und das war auch gut so, denn obwohl es schon eine Weile ruhig gewesen war, gab es plötzlich doch noch einen großen Knall, das Feuerholz flog in alle Richtungen und ein Dosenteil surrte durch die Luft. Damit war aber auch allen die Lust auf weitere Experimente vergangen, die Reste des Lagerfeuers wurden ordnungsgemäß gelöscht und da es langsam auf die Mittagszeit zuging, traten wir den Rückmarsch an. Natürlich wiederholten wir das Spiel mit den Wellen, auch auf die Gefahr nasser Füße hin, schließlich ging es zurück ins warme Wohnschiff. Und dort wurde den anderen natürlich in den schillerndsten Farben dieser außergewöhnliche Strandausflug geschildert und dass wir das neue Jahr doch noch mit „Böllern“ begrüßen konnten. Aber ob wir das in dieser Form auch am Ostseestrand von Warnemünde gedurft hätten?

— Klaus Martin

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