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Amüsantes

Baden auf See

Dieter Gaasenbeek beschreibt das seltene Vergnügen des Badens von Bord eines KSS Projekt 50 in der Ostsee: Anzugsordnung, die als Sprungbrett ausgebrachte Stelling, Mutproben von der Ankerkette und der Signalnock – und ein sehr persönliches Erlebnis mit den physikalischen Gesetzen des Sogs, das erst ein Tauchgang beendete.

Das Baden von Bord aus in der Ostsee ist eine feine Sache, wurde aber leider nur sehr wenig praktiziert. Ich erinnere mich an nur drei solcher vergnüglichen Unternehmungen. Das hatte sicher auch mit den Einsatzstufen eines Schiffes und der allgemeinen politischen Lage zu tun. Bis zum 13. August 1961 waren Seetage oftmals eine richtige gemütliche Ausfahrt. Nach dem 13. August begann das Seeklarmachen mit Gefechtsalarm, und erst wenn wir Kap Arkona erreicht hatten, wurde die Gefechtsbereitschaftsstufe 2 hergestellt. Das bedeutete für alle Mann an Bord vier Stunden Wache und 4 Stunden frei.

Selbstverständlich wurde das Baden unter derartigen Bedingungen als riskant eingeschätzt, noch dazu bei einem Schiff dieser Größenordnung mit damals noch 180 Mann an Bord. Das Baden erfolgte in zwei Etappen. Entweder die Steuerbordwache oder die Backbordwache durfte in das Wasser. Die Ansage über die „Translazia“ (Bordfunk-Anlage) lautete dazu: „Die Steuerbordwache heraustreten zum Baden. Anzugsordnung Badehose und Käppi mit Namensschild. Das Käppi wird in Höhe Torpedorohrsatz abgelegt.“ Nicht alle wollten oder konnten diese Badezeit der jeweiligen Wache nutzen, aber so 30 bis 40 Personen kamen immer zusammen. Um in das Wasser zu gelangen, wurde die Stelling auf der Schanz meist an Steuerbordseite ausgebracht und festgezurrt. Sie diente so als Sprungbrett. Übrigens, auf See wurde immer nur auf einer Schiffsseite gebadet. Auf dieser Seite war die Benutzung der Toilette nicht erlaubt und entsprechende Abflussöffnungen geschlossen. Da ich ja große Schwierigkeiten beim Hineinspringen hatte, nutzte ich den Wellengang und sprang dann hinunter, wenn die Welle an die Stelling schwabte. Damit war der eigentliche Höhenunterschied von bis zu 2 Metern ausgeglichen und es gelang, seicht in das Wasser zu kommen. Unmittelbar beim Eintauchen bemerkte ich ein eigenartiges klickerndes Geräusch am Hals. Das sind die Schallwellen, die von den laufenden Aggregaten und der Maschine des Dampfers ausgingen. Ich hatte bei diesem Schwimmen immer großen Respekt vor der ungeheuren Wassertiefe, die z.B in der Tromper Wieck 10 bis 15 Meter betrug. Natürlich gab es auch außerordentlich Mutige unter uns, die die Ankerkette emporkletterten und aus der Ankerklüse einen Kopfsprung machten. Oder sie sprangen aus der Signalnock aus ca. 10 Meter in das Wasser. Einige wenige tauchten sogar unter dem Schiff durch und kamen auf der anderen Seite heraus. Alles nichts für mich!

Ich hatte ein Erlebnis ganz anderer Art. Ich verspürte plötzlich einen gewaltigen Druck auf dem Bauch, welcher mich veranlasste, dem Drang nach Stuhlgang auch in dieser Situation freien Lauf zu lassen. Ich erledigte diese Sache sehr schnell und war eigentlich zufrieden, dass es so problemlos abgelaufen war. Doch weit gefehlt. Als ich die weiteren Minuten in diesem klaren Wasser genoss, stellte ich mit Erstaunen und Erschrecken fest, dass sich die ausgeschiedenen Exkremente von meinem Körper nicht trennen wollten, nicht lösen konnten. Sie, die aussahen wie Kupferbolzen, schwammen permanent hinterher. Hier bestätigten sich einfache unumstößliche physikalische Gesetzmäßigkeiten, die ich in dieser notdürftigen Situation nicht beachtete. Es entsteht durch den Sog zwischen zwei fahrenden Schiffen eine gefährliche Situation und es bedarf hohen seemännischen Geschicks, die Schiffe wieder zu trennen. Diese Erfahrung hatte ich jetzt auch machen nur auf einer wesentlich kleineren Ebene. Ich versuchte, durch kurzfristiges schnelleres Schwimmen davonzukommen. Aber es war zwecklos, es änderte sich nichts. Erst als ich einen Tauchgang vollführte hatte, war die unmittelbare Sogverbindung abgerissen und ich war befreit.

An Bord gelangten wir mit einer Strickleiter und jeder nahm sein Käppi auf. Der Oberbootsmann konnte daran feststellen, ob alle Mann auch wieder an Deck waren.

— Dieter Gaasenbeek

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