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Wappen der Marinekameradschaft KSS e.V. Warnemünde: Anker mit LorbeerkranzDie Geschichte von KSSKüstenschutzschiffe der Volksmarine 1956–1990
In alten Zeitschriften geblättert

Keiner schießt für sich allein

Reportage aus der Armeerundschau 10/62 über ein Torpedoschießen des KSS „Karl Liebknecht“ unter Kapitänleutnant F. Dorn vor Rügen: Klarmachen des Rohrsatzes, Torpedoschuss, Treffer am Zielschiff und das mühsame Wiederaufnehmen des Torpedos durch den GA-III um Stabsobermeister Weitling.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel erschien in der Armeerundschau 10/62 und schildert ein Torpedoschießen des KSS „Karl Liebknecht“. Reporter und gleichzeitig Fotograf war ein M. Berghold. Diesen Beitrag erhielten wir von Wolfgang Peschenz, der als Turbinenmeister auf der „Friedrich Engels“ gefahren war.

Das Küstenschutzschiff macht gute Fahrt. Die See liegt ruhig und glatt wie ein blaues Tuch. Nur die kleinen Wellen, die der Steven erregt, laufen flink am Bug entlang, blassgrün. Am Horizont schimmert ein kleiner Streifen flachen Landes der Küste von Rügen. Die Ellenbogen auf die Reling gestützt, schaue ich in das Kielwasser. Eigentlich müsste es bald soweit sein. Mir scheint es wie die Ruhe vor dem Sturm. Endlich schrillen die Signalglocken. Die Matrosen hasten auf ihre Gefechtsstationen. Auf dem HBS suchen scharfe Gläser die See ab. Kommandos schwirren durch die Luft. Meldungen werden quittiert. Das Schiff, seine Matrosen sind bereit. Schließlich befiehlt der Kommandant, Kapitänleutnant F. Dorn: „Torpedoangriff auf Fregatte backbord 30!“ Das Schiff geht auf Annäherung.

Zwei Fotos aus der Armeerundschau – am Torpedorohrsatz und der Torpedoschuss
Zwei Fotos aus der Armeerundschau – am Torpedorohrsatz und der Torpedoschuss Broschüre Teil 10, Seite 15Bildnachweis des Heftes: Grafiken Titelblatt: Hans Beyer — Fotos: D. Flohr, H. Niemann, D. Gaasenbeek, N. Mäder, H. Franke, M. Kretzschmar

Ich eile den Seitengang entlang. „Rohr 1 klarmachen zum Schuss“, hatte der Kommandeur des GA-III befohlen. Stabsmatrose Töpfer öffnet das Kesselabsperrventil, überprüft die Tiefeneinstellung, lädt die Kartusche. Die beiden Torpedorohre schwenken nach backbord. Rohr 1 ist klar. Unterdessen ist man auf dem HBS nicht untätig. Der Kommandant ermittelt die Schusspeilung und den Gefechtskurs. Der GA-III berechnet den Kurswinkel beim Schuss. Auch der Torpedomeister, Stabsobermeister Weitling, der im Rohrsatzstand sitzt, hat das Ziel aufgefasst und beginnt mit dem Richten. Es dürften nur noch 10 Kabel bis zur Schussposition sein. Der Kommandant befiehlt Kursänderung. Das Schiff läuft mit hoher Fahrstufe auf Gefechtskurs. „Torpedo los!“ Die Kartusche zündet und treibt den Torpedo aus dem Rohr. Er klatscht einige Meter vom Schiff entfernt ins Wasser und läuft mit der Präzision eines Uhrwerkes dem Ziel entgegen. Der weiße Qualm über dem Rohrsatz verflüchtigt sich schnell, aber dafür opfert sowieso auf dem Schiff keiner einen Blick. Alle Augenpaare suchen die Blasenbahn des „Aales“ und verfolgen sie, mit und ohne Glas. Währenddessen läuft das Schiff hinterdrein. Den Gasten um Stabsobermeister Weitling bleibt noch eine harte Nuss zu knacken. Heute sollen sie den Torpedo ohne fremde Hilfe wieder aufnehmen. Doch vorerst herrscht Freude auf dem Schiff. Getroffen! Ihr Torpedo hat das Zielschiff am Heck unterlaufen. Das gibt ein „sehr gut“ für das Kollektiv. Und dann beweisen sie noch einmal, was in ihnen steckt. Jeder packt mit an, voran der Stabsobermeister, die Stabsmatrosen Töpfer und Heidemüller, der Obermatrose Otto und viele hilfsbereite, geschickte Hände aus dem GA-III. Doch es bleibt ein hartes Stück Arbeit bevor der Torpedo aus dem Wasser gefischt, hochgezogen und auf den Transportwagen gepackt ist. Aber schließlich ist es doch geschafft. Der Rohrsatz wird gedreht und mit dem Ladegeschirr ziehen die Matrosen den Torpedo ins Rohr. Ölbeschmiert und dreckverkrustet sind die Hände und das Bordpäckchen, schweißnass die Gesichter, die Haare kleben unter dem Käppi. Doch die Matrosen freuen sich und sind stolz auf ihre Leistung. Bald ist nur noch das Rauschen des Kielwassers zu hören. Die Freiwache ruht in ihren Kojen. Das Schiff zieht ruhig und sicher seinen Kurs vor der Küste der DDR, um in etwa einer Stunde vor Anker zu gehen. Heute wie morgen: Die Matrosen des KSS „Karl Liebknecht“ geben ihre Tat für unser Glück, für unser Leben.

Foto aus der Armeerundschau – Matrosen beim Einziehen des Torpedos in das Rohr
Foto aus der Armeerundschau – Matrosen beim Einziehen des Torpedos in das Rohr Broschüre Teil 10, Seite 16Bildnachweis des Heftes: Grafiken Titelblatt: Hans Beyer — Fotos: D. Flohr, H. Niemann, D. Gaasenbeek, N. Mäder, H. Franke, M. Kretzschmar

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