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title: "Das asiatische Hockklosett"
autoren: ["Dieter Gaasenbeek"]
quelle: "Marinekameradschaft KSS e.V., KSS-Broschüre Teil 11"
projekte: ["50"]
schiffe: ["Friedrich Engels"]
zeitraum: "1960–1963"
url: "https://die-geschichte-von-kss.de/geschichten/t11-das-asiatische-hockklosett"
lizenz: "Texte unverändert; Rechte bei Marinekameradschaft KSS e.V. und den Autoren. Siehe https://die-geschichte-von-kss.de/quellen"
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# Das asiatische Hockklosett

> Dieter Gaasenbeek beschreibt detailliert die Wasch- und Toilettenanlagen auf einem KSS Projekt 50: das Gedränge am Waschraum, das Waschen mit Seewasser, das Pinkelbecken und vor allem den „4-Zylinder“ – das Stehklosett „Typ Genua“, im Bordjargon „asiatisches Hockklosett“ genannt – samt einer peinlichen Situation nach einem Kneipengang.

Die Wasch- und Toilettenanlagen auf einem KSS Pr. 50 sind es wert, näher beschrieben zu werden. Für die seemännischen Abschnitte befanden sie sich im Bereich des Vorschiffes und hatten für die Anzahl der Matrosen eine viel zu geringe Kapazität. Besonders wurde dieser Engpass nach dem Frühsport spürbar.

An der Wascheinrichtung waren mehrere Wasserhähne in Reihe gestaffelt, deren Wasser in einer Blechwanne floss. Hier entstand täglich ein gewaltiges Gedränge. Einige nutzten die Wartezeit dazu, sich noch einmal für wenige Minuten auf das Ohr zu legen. Einfügen will ich hier den Waschvorgang auf See. Wenn ein längerer Einsatz auf See durchgeführt wurde kam es vor, dass das Süßwasser in den Tanks nicht ausreichte und dann Seewasser zum Waschen durchgeschalten werden musste. In diese Situation kamen wir zwar selten, aber wenn, dann war es chaotisch. Mit den herkömmlichen Toilettenartikeln konnte man in Verbindung mit Salzwasser der Ostsee absolut nichts ausrichten. Keine Seife brachte man zum Schäumen, und das Zähneputzen war eine regelrechte Tortur. Der Höhepunkt war allerdings das Haarewaschen. Versuchte man es mit einfacher Seife, so standen bei der geringsten Berührung von Seife und Haar letztere zu Berge wie die Bürsten einer Drahtbürste. Das einzige, was in einer solcher Situation half, war die Meerschaumseife.

Aber noch viel dramatischer war die Situation auf der Toilettenanlage. Sie befand sich im Anschluss an den Waschraum. Ihre Beschaffenheit muss ich unbedingt beschreiben, weil sie für deutsche Verhältnisse doch einige abweichende Besonderheiten aufwies. Dieser Toilettenraum beinhaltete Möglichkeiten für alle Bedürfnisse. Wasserlassen konnte man gleich rechts neben dem Eingang in eine schwarz gestrichene, gekalkte, sehr üppige Blechwanne. Dabei wurde ständig fließendes Wasser, dessen Zufluss mit einem Drehschieber geöffnet und geschlossen werden konnte, nachgespült. Unmittelbar gegenüber befand sich der „4-Zylinder“. So wurde die Anlage bezeichnet, auf der man seine Notdurft größeren Ausmaßes verrichten konnte. „4-Zylinder“ deshalb, weil es im eigentlichen Sinne nichts mit einem Klo, so wie allgemein bekannt, zu tun hatte, sondern eher mit einem Maschinenraum. Dieser Zylinder, eine Stahlgussplatte, wurde von vorne bestiegen und man musste eine Kehrtwende darauf vollführen. Auf den Trittflächen war diese Platte geriffelt, um ein Abgleiten zu verhindern. Inmitten dieser Platte war eine runde Öffnung, ca. 40 cm im Durchmesser, die nach vorne stark verjüngt war. Diese Grundplatte entsprach von ihrer Form her den anatomischen Gegebenheiten eines Mannes. Unter dieser Öffnung, ebenfalls aus Stahlguss, befand sich eine Schüssel, in deren Zentrum ein Abflussventil installiert war. In dieser Schüssel sammelten sich alle ausgeschiedenen Exkremente. Hatte man seinen Zylinder ausgewählt und seine Position stehend eingenommen, ließ man die Hosen herunter und hockte sich hin. Daher der Spitzname „asiatisches Hockklosett“ für diese Anlage. Offiziell - laut Werftliste – hieß es wohl wohl „Stehclosed Typ Genua“. Rechts und links waren Blechwände angebracht, an denen man an einem Haltegriff eine gewisse Stabilität erreichen konnte. Diese Griffe waren vor allem auf See von großer Bedeutung, da durch die Schiffsbewegungen eine erhebliche persönliche Instabilität vorhanden war. Dennoch, auch im Hafen musste sehr genau darauf geachtet werden, dass alles auch dahin fiel und floss, wofür die Aussparungen vorgesehen waren. Nicht selten kam es vor, dass etwas schief ging, die Hose nass wurde oder der Stiefelabsatz etwas bekleckert wurde. Daher scheint auch der Hinweis zu stammen, „Mensch, bekack dir nicht die Hacken“. Dies alles wurde vollführt ohne Tür und wegen der niedrigen Seitenwände frei sichtbar für jedermann, der sich dort befand. Von einem „stillen Örtchen“ ist dort keine Rede gewesen. Kurios auch die Anbringung dieser Zylinder. Waren sie alle besetzt, so hockte man in einer aufsteigenden Etage, so wie heute in modernen Reisebussen, nur quer zur Fahrtrichtung. War das Geschäft beendet, und das war sehr schnell erledigt, weil man in dieser Hockerhaltung nicht lange verharren konnte, zog man sich an und betätigte einen Fußhebel, der die Spülung der Schüssel garantierte. So war der Platz frei für den Nächsten.

Ich erinnere mich an eine sehr peinliche Situation auf dieser Toilette, als ich einmal nach einem Kneipengang diese Örtlichkeit aufsuchte. Bei dieser Hockhaltung fing es bei mir an, sich im Kopf zu drehen. Bevor ich reagieren konnte, stürzte ich kopfüber von diesem Zylinder und verklemmte mich unter der gegenüber angebrachten Blechwanne. Aus dieser Lage war es mir unmöglich mich von alleine wieder aufzurichten, und mein Freund Hartmut musste dabei aktive Hilfe leisten. Noch heute schildert er, wie eindrucksvoll die Pose mit herunter gelassener Hose aussah, in welche ich mich da gebracht hatte. Glücklicherweise hatte ich mich dabei nicht verletzt.

In diesem Zusammenhang möchte ich darauf verweisen, dass ich öfter mal an Bord gestürzt, gestolpert und hingeschlagen bin, aber nicht einen Tag seekrank war.

— Dieter Gaasenbeek
