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title: "Salut der Nationen"
autoren: ["Hans Steike"]
quelle: "Marinekameradschaft KSS e.V., KSS-Broschüre Teil 3"
projekte: ["1159"]
zeitraum: "1980er Jahre"
url: "https://die-geschichte-von-kss.de/geschichten/t03-salut-der-nationen"
lizenz: "Texte unverändert; Rechte bei Marinekameradschaft KSS e.V. und den Autoren. Siehe https://die-geschichte-von-kss.de/quellen"
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# Salut der Nationen

> Bei einem Flottenbesuch mit einem KSS Projekt 1159 als Führerschiff mußte der Salut der Nationen mit 21 Schuß aus zwei uralten 40-mm-Salutkanonen geschossen werden. Als nach dem 21. Schuß ein 22. krachte, deckte Flottillenchef Konteradmiral Kahnt gegenüber Admiral Ehm den Kommandanten – die Strafpredigt gab es später unter vier Augen.

Es passierte während einem der vielen Flottenbesuche, bei denen ein KSS des Projektes 1159 als Führerschiff des Verbandes eingesetzt war. Was die personelle Besetzung betraf, glich das Schiff – wie immer bei solchen Anlässen - eher einem „Fleischdampfer“ denn einem Kampfschiff. Da war die offizielle Delegation unter Leitung des Chefs der Volksmarine. Um diese Delegation herum wuselten jede Menge Hilfskräfte, von der Besatzung etwas respektlos als „Flunkis“ oder „Aktentaschenträger“ bezeichnet. Ein komplettes Militärorchester musste untergebracht werden. Der Abteilungschef und einige Offiziere seines Stabes, mit der Führung des Verbandes in See und der Dienstorganisation im Besuchshafen beauftragt, beanspruchten ebenfalls Platz. Gemütlich für die Besatzung war so eine Sonderaufgabe nicht gerade. Für einen Auslandsbesuch nahm man diese Unannehmlichkeiten aber schon mal in Kauf.

Zum Zeremoniell eines solchen Besuches gehörte der Ehrensalut. Auf einer vorher vereinbarten Position auf der Reede vor dem Zielhafen feuerte das Führerschiff des Besuchsverbandes 21 Schuß Landessalut, auch als Salut der Nationen bezeichnet, mit einem Salventakt von exakt 10 Sekunden ab, worauf ein Schiff des Gastgeberlandes in genau der gleichen Weise antwortete. Für dieses Schießen war das KSS in Warnemünde mit zwei Salutkanonen ausgerüstet worden. Das waren uralte, leichte U-Boot-Kanonen mit Kaliber 40 mm. Weiß der Teufel, wo man die aufgetrieben hatte. Dazu gehörte genau so uralte Munition. Versager waren vorprogrammiert, deshalb auch zwei Kanonen. Versagte ein Geschütz, sprang sofort das zweite ein. Unterwegs beim Training hatte das ganz gut geklappt. Aber eine wacklige Angelegenheit blieb es trotzdem. Es hätte ja im gleichen Moment auch das zweite Geschütz versagen können und durch die Nachladezeit des ersten wären die 10 Sekunden Salventakt nie einzuhalten gewesen.

Dann kam der Moment der Bewährung. Die im Besuchsplan angegebene Salvenposition war erreicht. Konteradmiral Kahnt, Flottillenchef und Mitglied der Delegation hatte sich an der Steuerbordseite der Brücke in den WO-Sitz geklemmt, Stoppuhr in der Hand und das Gesicht - wie für ihn typisch - zur Faust geballt. Er war ein wegen seiner Strenge gefürchteter, aber wegen seiner Konsequenz, Zielstrebigkeit und Gerechtigkeit auch hoch geachteter Kommandeur. Und dann ging es los! Kommandant: „Zum Salut der Nationen - 21 Schuß – Geschütze laden - Salve – Feuer!“ Schuß für Schuß donnerte über die Reede. Nur wenn die Stoppuhr mal 11 oder 12 Sekunden zeigte, wusste man auf der Brücke: Versager. Ohne Stoppuhr fiel das gar nicht auf. Je näher der 21. Schuß kam, desto entspannter wurde der Flottillenchef. Endlich die letzte Salve! Im gleichen Moment zerfloß das FCH-Gesicht zu einem breiten, zufriedenen Grinsen. Daumen hoch in Richtung Kommandant. Ein größeres Lob war kaum vorstellbar. Aber das dauerte nur zehn Sekunden. Dann geschah es: ein 22. Schuß krachte! Skandal!!! Genau 21 Schuß forderte das internationale Protokoll für Landessalut. Keinen einzigen mehr und keinen einzigen weniger.

Sofort hatte Kahnt wieder seine grimmige Dienstmiene Nr. 1 aufgesetzt. Ein eisiger Blick traf den unglücklichen Kommandanten. Zur Strafpredigt kam es aber nicht, denn Admiral Ehm erschien zusammen mit einem „Aktentaschenträger“ eilig auf der Brücke. Dieser hatte ihm wohl gesteckt, daß da ein Schuß zu viel gefallen war. „Genosse Kahnt, stimmt es, daß das Schiff 22 mal Salut geschossen hat?“ „Nein, Genosse Admiral. Ich habe mitgezählt. Es waren genau 21 Schuß!“ Soweit kommt es noch, er als Flottillenchef wird sich doch nicht von irgend so einem Zuträger das Nest beschmutzen lassen. Schließlich gehörte das KSS zu seiner Flottille. Für Admiral Ehm war die Sache damit erledigt, lediglich den übereifrigen „Flunki“, der ziemlich bedeppert dreinschaute, traf sein strafender Blick.

Um die gefürchtete Strafpredigt unter vier Augen kam der Kommandant aber nicht drum herum. Damit war die Geschichte aber auch vergessen. So war er eben, unser Flottillen-Chef.

— Hans Steike
